Wie Differenz in Ordnung eintritt
Eine Beobachtung zum Eintritt von Differenz
Irritation entsteht, wenn ein Vorgang, ein Zeichen oder eine Wirkung nicht in vorhandene Strukturen übergeht. Der Ablauf stockt. Erwartung und Geschehen fallen auseinander.
Damit erscheint Differenz zunächst nicht als Bedeutung, sondern als Unterbrechung.
Etwas ist da, das verarbeitet werden muss, bevor es eingeordnet werden kann.
Irritation ist daher kein Sachverhalt, sondern ein Ereignis in der Beziehung zwischen Ordnung und Geschehen.
Differenz als Ereignis
Auffällig ist zunächst eine zeitliche Asymmetrie. Entscheidungen werden in einem Moment getroffen, in dem sie noch nicht öffentlich verhandelbar sind. Kritik, Aufarbeitung oder Korrektur setzen später ein. Zu einem Zeitpunkt, an dem die Entscheidung bereits in Verfahren, Verträge oder technische Abläufe überführt wurde. Was erst im Nachzug diskutiert wird, verliert seinen Eingriffspunkt. Es bleibt korrekt, aber folgenlos.
Anschluss unter Spannung
Sobald Irritation auftritt, beginnt die Suche nach Anschluss.
Bestehende Begriffe werden verschoben, Verfahren angepasst, Deutungen erweitert. Die Ordnung arbeitet daran, die Differenz in ihre eigenen Strukturen zu überführen.
Ob dies gelingt, entscheidet sich nicht im Moment der Irritation selbst, sondern in ihrer Verarbeitung.
Manche Irritationen verschwinden rasch im Gefüge vorhandener Deutungen.
Andere bleiben spürbar und verändern die Bedingungen künftiger Abläufe.
Schwelle der Veränderung
Irritation markiert die Schwelle, an der Veränderung möglich wird.
Sie zeigt, dass Stabilität auf Voraussetzungen beruht, die nicht vollständig kontrolliert sind.
Wo Irritation aufgenommen wird, verändert sich die Anschlussfähigkeit.
Wo sie anhält, entsteht Verschiebung.
Wo sie sich verdichtet, verändert sich die Struktur selbst.
Damit ist Irritation der Eintrittspunkt jeder späteren Bewegung – unabhängig davon, ob sie abgewehrt, integriert oder weitergeführt wird.
Wahrnehmbarkeit von Ordnung
Irritation macht Ordnung sichtbar.
Erst wenn Erwartungen nicht mehr tragen, wird erkennbar, worauf sie beruhen.
Sie zeigt die Grenzen des Selbstverständlichen und eröffnet die Möglichkeit, Bedingungen neu zu bestimmen.
Offene Frage
Irritation tritt auf, bevor entschieden ist, was aus ihr folgt.
Sie bezeichnet den Moment, in dem Differenz spürbar wird, ohne bereits geordnet zu sein.
Die Frage, die daraus entsteht, betrifft den Übergang selbst:
Wann wird Irritation aufgenommen –
und wann beginnt sie, die Ordnung zu verändern?
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