Wie Folgen ihre Voraussetzungen verändern
Eine Beobachtung zur Richtung von Veränderung
In vielen gegenwärtigen Ordnungen verläuft Veränderung nicht einfach vorwärts.
Sie bewegt sich auch zurück. Entscheidungen, Wirkungen und Bewertungen kehren zu ihren Voraussetzungen zurück und verändern diese nachträglich.
Damit entsteht eine besondere Bewegungsform:
Das, was aus einem Prozess hervorgeht, wirkt wieder auf das ein, woraus es entstanden ist.
Damit öffnet sich der durch gerichtete Entwicklung verringerte Potenzialraum wieder ein Stück weit.
Rückwirkung als Struktur
Reversivität bezeichnet diese Rückwirkung.
Ein Vorgang bleibt nicht auf seine unmittelbare Folge beschränkt. Seine Ergebnisse verändern die Bedingungen seines eigenen Entstehens.
Regeln werden aus ihren Wirkungen heraus angepasst.
Verfahren werden im Vollzug neu bestimmt.
Begründungen verschieben sich, sobald ihre Anwendung sichtbar wird.
Die Ordnung bewegt sich dadurch nicht nur entlang einer Linie.
Sie beschreibt Schleifen, in denen sich Ursache und Folge fortlaufend neu zueinander verhalten.
Veränderung ohne Rückkehr zum Ausgangspunkt
Reversivität bedeutet nicht Reversibilität, also Wiederherstellung.
Ein früherer Zustand wird nicht einfach erneut erreicht.
Was zurückwirkt, verändert den Ausgangspunkt selbst.
Deshalb der Neologismus Reversivität.
Jede Rückbindung geschieht unter neuen Bedingungen.
Jede Wiederaufnahme verschiebt, was zuvor galt.
Die Bewegung kennt daher keinen stabilen Anfang, zu dem sie zurückkehren könnte.
Stabilität durch Selbstbezug
Diese Form der Bewegung erzeugt eine eigene Stabilität.
Eine Ordnung kann sich korrigieren, ohne sich von außen neu begründen zu müssen.
Sie verarbeitet ihre Wirkungen intern und verändert sich entlang ihrer eigenen Spuren.
So entsteht Kontinuität durch fortlaufende Rückbindung.
Was geschieht, bleibt anschlussfähig, weil es in die Bedingungen seines eigenen Fortbestehens eingeht.
Richtung unter Beobachtung
Reversivität bezeichnet hier eine beobachtbare Struktur von Rückwirkung in Ordnungen; sie steht im Zusammenhang mit dem grundlegenden Prinzip der Reversivität im Begriffssystem der Durchlässigkeit des Seins, ohne dieses selbst darzustellen.
Reversivität macht erklärbar, warum Veränderungen oft zugleich neu und vertraut erscheinen. Sie entstehen aus Verschiebungen innerhalb bestehender Zusammenhänge, die ihre eigenen Wirkungen wieder aufnehmen.
Rückwirkung verändert nicht nur Strukturen, sondern auch deren Zeitbindung: Vergangenes bleibt wirksam, jedoch nicht als Fortsetzung, sondern als veränderte Bedingung im gegenwärtigen Zusammenhang.
Reversivität betrifft daher nicht die Zukunft als Ziel, sondern die Gegenwart als Ort von Potenzial. Nur dort entscheidet sich, ob Rückwirkung Öffnung ermöglicht oder bestehende Voraussetzungen stabilisiert.
Wann erweitert Rückwirkung den Potenzialraum – und wann schließt sie ihn in Kontinuität?
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